Geschichten

Ferienerlebnisse in Zschillichau

Ich bin zwar kein gebürtiger Zschillichauer, habe aber in der Jugend fast alle meine Sommerferien in Zschillichau verbracht.
Da ich aus dem Westen war, mussten wir immer erst eine Besuchsgenehmigung beantragen, bevor wir in die damalige DDR, einreisen durften. Kaum angekommen, mussten wir uns bei der Polizeistelle in Bautzen(später in Großdubrau) anmelden. Formalitäten mussten damals sein, wenn man keine Schwierigkeiten haben wollte, besonders wenn man aus dem Westen kam.
Trotzdem sind wir(mein Eltern, Geschwister und ich) damals immer gerne nach Zschillichau gekommen. Heute ist das alles kein Problem mehr. Es war immer ein Erlebnis zu sehen, dass sich in all den DDR-Jahren in Zschillichau, nicht viel verändert hat.
Die Kindheitserlebnisse möchte ich nicht missen.
Früher in meiner Jugendzeit, habe ich mich immer auf die Erlebnisse mit Matthias und Uwe gefreut. Wir waren Pilze suchen, schwimmen im Badeteich oder in der Spree, Eier suchen im Heuspeicher, haben Saltos im Heu gemacht, Gras holen mit Opa fürs Vieh(damals noch mit Pferd und Wagen), Karpfen fangen im Dorfteich, Schlange stehen beim Einkaufen, Verwandte und Bekannte aus Vaters Jugendzeit besuchen (für uns Kinder immer langweilig, wir wollten lieber in Zschillichau bleiben).
Zelten im Garten war auch immer Pflicht, von Hund Bobby bewacht, der keinen ins Zelt gelassen hat. Polterabende und Hochzeiten haben wir so manche erlebt. Bierbeschaffung, war manchmal auch nicht so einfach.
Erlebnisse am Stausee oder Besuche in Bautzen haben auch immer zum Programm gehört, wie Grillen im Garten(auch Heute noch).
Die schönsten Zeiten habe ich immer erlebt, wenn viele Verwandte zur gleichen Zeit da waren, da war immer was los.
Damals war die Zeit nicht so hektisch wie Heute. Da ging man alles viel gemütlicher an.
In jedem Hof, auf der Dorfstraße und auf jedem freien Gelände oder Garten waren Tiere zu finden. Auf dem Dorfteich waren immer die Gänse baden. Waren die Gänse an Land, musste man aufpassen, dass man nicht im vorbeilaufen, von hinten gezwickt wurde. Deshalb haben wir die Gänse immer ins Wasser gejagt, was mit heftigem Geschnatter, quittiert wurde.
Bei Tante Trude gab es immer leckere Schnitzel mit Kartoffelsalat, bei Tante Helga immer Omelette mit Bratkartoffeln.
Zu meiner Jugendzeit gab es auf allen Höfen noch eigene Tiere. Manche waren so zutraulich, dass man sie überall hin mitnehmen konnte, wie einen Hund. Sie sind einem nachgelaufen.
Tiere wie Hund Bobby, Katze Felix oder Huhn Sputnik, werde ich nie vergessen.

Gruß Thomas



Erlebnisse und Erinnerungen des Zweiten Weltkrieges in und um Zschillichau

Von Martin Hämsch

Vater

Der erst so siegreiche Krieg, der in Europa und Teilen von Afrika tobte, wendete sich 1943 gegen Deutschland. An allen Fronten, an denen deutsche Soldaten standen und kämpften, wurden hohe Verluste an Mensch und Material erlitten. Es wurde ein schrecklicher Krieg gegen Deutschland.
Als im Juli 1944 englische und amerikanische Bomber zu tausenden auch über unsere bis jetzt so friedliche Heimat Sachsen flogen, war es keinem der hier lebte mehr wohl ums Herz.
Im Januar 1945 kam die russische Front immer näher zu uns. Es wurden Flüchtlinge aus Ostpreußen und Oberschlesien bei uns einquartiert. Sie kamen mit Pferden und Wagen und hatten ihr Hab und Gut aufgeladen, um dem Schlimmsten zu entgehen.
Aber sie ahnten nicht, dass sie nie mehr in ihre Heimat zurückkehren könnten, ja sie nicht einmal mehr Heimat nennen durften….

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Ich kann mich noch genau daran erinnern, doch um das alles zu begreifen war ich noch viel zu jung.

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Um den 10. Januar 1945 wurde durch die rote Armee an der Weichsel die große Winteroffensive an der gesamten Ostfront begonnen.
Alle Jugendlichen, die noch nicht zur Wehrmacht oder zum Volksturm eingezogen waren, wie auch ich, mussten in die Hitlerjugend. Man redete uns ein “WIR WERDEN SIEGEN” und “DER SIEG WIRD UNSER SEIN”.
Diese Parolen waren an allen Wänden angebracht, aber daran glaubten nur noch die wenigsten. Jeder in unserem Dorf machte sich Sorgen was aus uns werden sollte.
Die Front stand zu der Zeit hinter Warschau, bis zur Ostseite von Ostpreußen (Schlossberg, Gumbinnen). So kam es, dass die Menschen in Ostpreußen, Schlesien und Pommern ihre Heimat verlassen mussten.
Mitte Januar 1945 hatte auch unser Dorf Zschillichau, einen ganzen Flüchtlingstreck unterzubringen, der aus Oberschlesien kam.
Die Menschen übernachteten mit in unseren Häusern, es wurde auch von uns allen Platz gemacht, um ihnen, die schon so vieles durchgemacht hatten zu helfen.
Auch bei uns waren zwei Frauen mit ihren Töchtern einquartiert, die Pferde und der Wagen waren bei unseren Nachbarn Taschke untergebracht. Sie blieben nur eine Nacht, und fuhren am nächsten Tag mit ungewissem Ziel weiter.
Die russische Front rückte immer näher, es kamen mehr und mehr Flüchtlinge. Die Straßen waren mit Pferden und Wagen überfüllt.
Fast jeden Tag hatten wir Einquartierungen, auch unsere Schule in Klix wurde geschlossen und als Flüchtlings- und Soldatenlager genutzt.
An einem Sonntag, Ende Februar kamen 3 Franzosen-Gefangene von Schlesien und suchten ein Nachtquartier. Sie baten uns auf dem Heuboden bleiben zu dürfen. Nach längerer Aussprache willigte meine Mutter ein.
Gegen Abend klopfte es an die Tür, einer der Franzosen war heruntergekommen weil ihm zu kalt geworden war. Er bettelte meine Mutter an, ob er in der Küche schlafen dürfe. Obwohl meine Mutter große Angst hatte, da es ja streng bestraft wurde Gefangene unterzubringen, ließ sie sich erweichen. Sie übernachteten alle 3 in der Küche auf zwei Sofas und zogen am nächsten Tag nach Westen in Richtung Heimat. Wir hatten Glück das in dieser Nacht keine Soldaten kamen.
Doch dann wurde es auch bei uns ernst, die russischen Panzer hatten Mitte Februar schon die Neiße erreicht. Es hieß, wenn der Russe weiter so vorwärts marschiert, ist er in wenigen Tagen auch hier. Dann müssten auch wir unsere Wagen bepacken und unser Zschillichau verlassen.
Das bestätigte auch mein Freund Heinz Matschula, der im Januar von Schlossberg (Ostpreußen) nach Zschillichau zu seiner Mutter geflohen war.
Mir war es auch nicht egal, denn auch unsere Heimat wurde auf den Krieg vorbereitet. In allen umliegenden Dörfern wie z.B. Sdier, Klix und Malschwitz wurden Panzersperren, Schützengräben und andere Verteidigungsanlagen errichtet. Starke Baumstämme dienten als Panzersperren.
An allen Brücken, die über die Spree führten und an Straßen und Bahnlinien wurden Sprengladungen angebracht. In jedem Dorf wurden Soldaten untergebracht und ihre Waffen wurden in selbsterrichteten Waffenlagern versteckt. Alles ging durcheinander und keiner wusste, ob er morgen noch leben würde, denn in der Ferne hörte man schon Geschützdonner.
Der Russe war in der Zwischenzeit schon bis nach Rothenburg vorgedrungen, er verharrte dort, doch keiner wusste wie lange.
Ruhe für einige wenigen Tage.

Alle Leute im Dorf hatten ihre Sachen und Wertgegenstände in Kisten gepackt und im Garten oder an versteckten Plätzen vergraben. Denn es wurde erzählt, dass die Russen gnadenlos alles ausplündern.
So habe auch ich am Weg zu unserem Teich eine Truhe mit Sachen eingegraben, die ich allerdings nach einer Woche wieder ausgraben musste, weil sich alles mit Wasser vollgesogen hatte. Das war für mich eine große Enttäuschung.
Ein paar Tage später wurden alle nicht benutzten Spreebrücken von deutschen Soldaten abgebrochen und entlang der Spree wurden Schützengräben ausgehoben, alle ein Meter ein Loch von 2 m x 2 m.
So wurde auch unsere Spreebrücke abgerissen und das Material wurde in den Sträuchern an der Westseite versteckt, um vor den Russen sicher zu sein.
Auf der Malschwitzer Seite wurde schon im Dezember 1944 ein Notflugplatz angelegt. In den Sträuchern zwischen Briesing und Malschwitz waren nämlich neue zweimotorige Flugzeuge abgestellt, die an der Front im Einsatz waren.

Am Abend des 13. Februar um 22 Uhr heulten die Sirenen laut auf. Aus Richtung Westen dröhnte lauter Bombendonner, die Fenster und Türen klirrten, ja die ganze Erde bebte. Über dem Wald vor Quatitz in westlicher Richtung war ein rot leuchtender Feuerhimmel zu sehen.
Wir alle hatten große Angst und konnten die ganze Nacht nicht schlafen. Auch Flüchtlinge waren bei uns, wie so oft in dieser Zeit.
Am nächsten Tag erfuhren wir, das englische und amerikanische Bomber Dresden in Schutt und Asche gelegt hatten. Tausende von Menschen kamen ums Leben. Die Stadt war voller Flüchtlinge, doch keiner wußte genau wie viele. Allein der Hauptbahnhof und die Anlagen waren mit Menschen von Schlesien und Ostpreußen überfüllt, die vor den Russen geflohen waren. Es war furchterregend.
Die Verteidigungsvorbereitungen in unseren Orten und der Stadt Bautzen liefen auf Hochtouren. Alle noch verfügbaren Männer die noch im Dorf geblieben waren, wurden zum Volkssturm herangezogen.
Sie konnten weiterhin zuhause bleiben und ihrer Arbeit nachgehen, aber wenn sie gebraucht wurden oder wenn eine militärisch Übung angesetzt war, mussten sie erscheinen und bekamen Waffen.
Das waren in Zschillichau folgende Männer: Dresler Paul-Ortsbauernführer, Pohantsch Herrmann-Bauer, Linke Paul-Schlosser, Schuster Walter- Rittergutspächter, Lischke Paul- Waldarbeiter, Wauer Ernst-Bauer, Lowke Paul-Ochsenkutscher auf dem Rittergut, Sedlich Richard- Schlosser, Gerber Kurt- Arbeiter und NSDAP- Blockleiter. Taschke Otto sen. -Fabrikarbeiter, Taschke Otto jun. , der im März zum Volkssturm nach Bautzen eingezogen wurde.

Alle anderen Männer waren schon seit Anfang des Krieges zur Wehrmacht eingezogen worden. Außerdem waren noch ein paar ältere Männer um die 70 Jahre oder älter, wie Hämsch Karl-Bauer, Miesner August-Gastwirt und Bauer, Zimmer Paul-Postbote, Wauer Ernst-Bauer, Miesner August-Gastwirt und Bauer, Zimmer Paul-Postbote, Wauer Ernst-blinder Bauer, Gerber Ernst Bauer, Röhle Paul-Kriegsinvalide, Rentsch Rudolf-18 Jahre, beinbehindert, Gerber Walter mit nur einem Arm.

Das war der ganze Segen, den Zschillichau noch an Männern besaß, die erstgenannten wurden zum Volkssturm eingezogen. Sie mussten Zschillichau mit alten Gewehren und ein paar Schuss Munition gegen die Russen verteidigen. Außerdem waren im Krieg bis zu dieser Zeit Polen zur Arbeit eingesetzt. Bei Dreßlers zwei Polen, Jannek und Sofia Dudatschek. Bei uns ein Weißrusse namens Simon Mardas. Bei Miesners zwei Polen Dadeck Dudatschek und ein gewisser Stefka.
Auf dem Rittergut waren vier Frauen und vier Männer, die Vornamen sind mir noch bekannt, Andreas der im Stall war, Jannek der den Deutz-Buldog fuhr, Johann der dicke Handarbeiter, Mischa und Liena, die ein Ehepaar waren und bald ein Kind bekommen sollten, und einige andere, die mir nicht mehr bekannt sind. Sie waren alle im Haus, das dem Rittergut gehörte untergebracht.
Mit Jannek und Dadeck Dudatschek war ich sehr eng befreundet. Wir gingen sonntags manchmal ein bisschen spazieren und ich hatte von ihnen schon ganz gut polnisch gelernt.
So vergingen die Tage des Februars und der März kam heran. In Zschillichau waren nun immer Soldaten, die zum Teil in Wohnungen oder in den Rittergutsscheunen untergebracht wurden. Auch wir hatten einen Soldaten im Quartier, der eigentlich im Rheinland zuhause war. Er war für die Verpflegung verantwortlich und musste die täglichen Lebensmittel heran schaffen. Sein Lager war auf dem Rittergut.
Ich durfte immer mit ihm mitfahren, wenn er Verpflegung wie Brot, Fleisch, Butter und Speck besorgte. Er holte es von anderen Truppenteilen, die in Großdubrau und Sdier untergebracht waren. Er brachte immer Brot und Butter für uns mit nach hause. Meine Mutter musste dann für ihn und uns Kinder immer Kuchen backen.

Ich hatte mir zu dieser Zeit eine Pistole zugelegt, es war ein Trommelrevolver und dort passte die 6 mm Kleinkalibermunition hinein. Ich und die Pistole waren unzertrennlich, ich nahm sie überall mit hin. Eines Tages saßen der Soldat, meine Mutter und ich in der Küche. Ich spielte mit der Pistole, da ich annahm dass keine Kugel mehr im Lauf war. Plötzlich ging ein Schuss los. Er schlug in die Wand ein, das gleich der ganze Putz abflog. Wir waren alle zu Tode erschrocken. Darauf hin wurde mir von dem Soldaten die Pistole weggenommen.

Die Soldaten die hier einquartiert waren, hatten eine harte Zeit. Sie mussten viel üben und wurden von ihren Vorgesetzten regelrecht herumgescheucht. Denn sie sollten ja die Front halten, wenn der Russe wieder angreift.
Wir hatten nun wieder aller zwei Tage Schule, die wurde von Herrn Lehrer Berger aus Klix, bei uns im Ort in der Gaststube abgehalten. Für das 5, 6, 7 und 8te Schuljahr jeweils eine Stunde. Aber gelernt wurde nichts mehr, der Krieg war das Thema fast jeder Schulstunde. Jeder schilderte seine Erlebnisse. Das ging nun eine Woche, dann wurden wir von größeren Jungs zum Schützengräben schachten heran gezogen. Längs der Strasse bis nach Briesing auf beiden Seiten aller 100 m ein Schützenloch, zwei Meter breit und einen Meter tief. Wir schufteten von früh bis spät jeden Tag, bis wir in Briesing waren. Wir bekamen weder eine Bezahlung noch etwas zu essen, nur den “Dank des Vaterlandes“.

Die einen Soldatentruppen zogen ab und neue kamen heran. So kam auch am 10. März eine Einheit, die in Zschillichau auf die einzelnen Häuser verteilt wurde. Sie hatten den Auftrag Holz zu schlagen, und zwar den “Schwarzwald“. Dieser erstreckte sich auf dem Wege von Zschillichau nach Großdubrau, in Höhe der Schaftreibe.
Schwarzwald deswegen, weil der Wald einen so alten und hohen Bestand aufwies, der bis zu diesem Zeitpunkt vor dem abholzen immer verschont geblieben war. Zuvor wurde aber von anderen Truppenteilen auf dem Wege nach Großdubrau an derselben Stelle eine Panzersperre errichtet. Dafür wurden starke Baumstämme 2m tief Stamm an Stamm eingegraben. Sie ragten dann immer noch 3 Meter über der Erde heraus, so sollte es den Russen unmöglich gemacht werden mit ihren Panzern hindurch zu kommen.
Der alte Wald wurde abgeholzt und die Stämme nach Sdier in das Sägewerk gebracht. Das gesägte Holz wiederum wurde nach Niedergurig an die Spreebrücke gefahren, um damit eine zweite Spreebrücke an der bestehenden zu bauen. Diese sollte für unsere Panzer sein. Die Brücke war in 14 Tagen gebaut, aber Panzer kamen keine.
Es war nun Ende März, die Front an der Neiße blieb ruhig, bis auf einzelne Kanonendonner.

An einem Vormittag musste ich für meine Mutter Wasser holen. Die Pumpe war bei uns an der Ostecke des Grundstückes. Damals stand noch keine Scheune, sondern dort war nur eine große Wiese. Am Teich entlang vorbei führte ein schmaler Fußweg bis zur Pumpe.
Als ich mit meinem Eimer zum Brunnen zog, sah ich aus Richtung Malschwitz ganz tief am Himmel zwei einmotorige Flugzeuge kommen.
Ich legte mich ganz dicht an den Zaun, da waren sie auch schon da. Unter ihren Flügeln war kein deutsches Kreuz, sondern der russische Stern. Die Flugzeuge verschwanden auch gleich wieder hinter dem Wald. Ich holte schnell mein Wasser und eilte damit ins Haus.

Ein paar Tage später, es war schon sehr warm für die Jahreszeit, arbeiteten die Bauern auf den Feldern und bestellten die Äcker mit ihrem Zugvieh. Traktoren gab es keine, jeder arbeitete selbst auf seinem Land.
Am Nachmittag wurde Voralarm ausgerufen, es hieß feindliche Flugzeuge seien in Sicht. Beim Vollalarm mussten sich alle in Sicherheit bringen oder Luftschutzbunker aufsuchen. Hoch oben in der Luft sahen wir englische und amerikanische Flugzeuge heran dröhnen. Sie kamen von Südwest und flogen nach Norden. Zählen konnte man sie nicht, denn es waren zu viele.
Die Vierlingsflack, die zur Abwehr um Bautzen aufgestellt war, schoss was die Rohre hergaben (der genaue Standort war in Burk).
Als die Flugzeugstaffel nun in Höhe von Zschillichau war, heulte es auf einmal fürchterlich. Ich war gerade bei Dreslers im Hof und sah mir mit Jannek dem Polen die Flugzeuge am Himmel an. Bomber! Wir legten uns sofort an der Stelle wo wir standen auf die Erde. Das alles geschah in Bruchteilen von Sekunden. Als wir lagen krachte es auch schon fürchterlich, es war als würde die ganze Welt einstürzen. Der Sand rieselte von den Dächern, die elektrischen Masten schaukelten, die Leitungen schwankten wild durcheinander und alles kam aufgeregt aus den Häusern gerannt. Der Schreck saß uns in allen Gliedern.
“Was ist passiert? Wo sind die Bomben gefallen? Stehen unsere Häuser noch?”, wir wussten es nicht.
Meine Mutter kam und suchte nach mir. Am oberen Teich in Richtung Sdier stiegen dicke, schwarze Wolken zum Himmel auf. Dort waren die Bomben gefallen.
Als die Flugzeuge verschwanden, setzte ich mich sofort auf mein Fahrrad und fuhr dorthin. Von weitem sah ich eine riesige Menschenmasse, alle wollten sehen was geschehen war. 17 Bomben waren gefallen, die Bombentrichter waren 4-5 m tiefe und 5-7 m breite Löcher. Man hätte ein kleines Haus hinein stellen können. Die bombardierte Zone erstreckte sich bis weit in die Felder hinein. Auf der Straße nach Sdier auf der linken Seite war ein Bombentrichter am anderen. Sie wurden innerhalb der nächsten Tage von Zivilgefangenen Polen, Russen, Serben, Jugoslawen, Griechen, Franzosen und Belgiern zugeschaufelt.
Diese waren eine zeitlang auf dem Rittergut untergebracht. Sie wurden von SA-Männern bewacht und wurden oft misshandelt. Auch zu essen bekamen sie nicht viel, mir tat das immer sehr leid. Oft gingen sie zum betteln nach
Kartoffeln oder Brot von Haus zu Haus. Wenn sie dabei erwischt wurden, bekamen sie fürchterliche Prügel. Meine Mutter gab ihnen immer etwas zu essen, denn sie hatte Mitleid mit den Heimatlosen.
So verging der März, und der Russe verhielt sich immer noch ruhig an der Neiße-Front. Nur hin und wieder hörte man den nun schon mittlerweile gewohnten Geschützdonner in weiter Ferne. Am Ende des Monats kam mein älterer Bruder vom Arbeitsdienst nach Hause. Er sollte aber am 3. April schon wieder zur SS nach Beneschau bei Prag. Er hatte auch die Nase voll vom Krieg, der nur Leid, Kummer und Elend hervorbrachte und der so vielen Menschen die Heimat raubte. Er versuchte alles Mögliche, damit er nicht dorthin musste.
Georg hatte geschwollene Füße, er ging zu Doktor nach Großdubrau um von ihm krank geschrieben zu werden. Damit versuchte er die Einberufung hinaus zu schieben, aber es half alles nichts. Am 3. April 1945 musste er schweren Herzens seinem Einberufungsbefehl folge leisten. Ich schaffte ihn abends auf den Bahnhof nach Sdier. Dort sagte er mir: “Schau mal, ich habe unter den Fingernägeln weiße Absätze, das bedeutet Glück. Da werde ich doch bestimmt nach hause zurück kommen.” Wir verabschiedeten uns voneinander, keiner wusste wie lange der Krieg noch dauern würde und wann wir uns wiedersehen werden.

Anfang April bekam ich eine Lehrstelle beim Stellmacher (Kurt Seifert) in Briesing. Seit dem hatte ich nicht mehr so viel Zeit, mich mit all den Dingen zu befassen, die jeden Tag geschahen. Es war eine große Umstellung für mich, denn die Arbeit war sehr anstrengend. Ich musste von Montag bis Freitag täglich von 7-17 Uhr arbeiten, mit 15 Minuten Pause für Frühstück und 30 Minuten für Mittag. Das waren immer noch über neun Stunden täglich und 53 Stunden die Woche. Samstags wurde von 7-12 Uhr gearbeitet und dann noch die Werkstatt gesäubert. Da wurden die Hobelspäne der ganzen Woche herausgetragen, bis ich nach hause kam war es 14 Uhr.

Der Krieg ging weiter. Die Verteidigungsvorbereitungen wurden immer weiter ausgebaut, auch bei uns im Garten wurden Stellungen ausgehoben.
Am 11.04.1945 sollte ich mich beim Kompaniechef des Volkssturmes in Sdier melden, um mit an den Übungen teilzunehmen. Ich meldete mich auch bei ihm, aber er teilte mir mit ich solle noch einige Tage warten. Ich würde von der Hitlerjugend Bescheid bekommen, wenn ich gebraucht werde. Er selbst brauchte nur erfahrene Leute für den Krieg. Ich setzte mich wieder auf mein Fahrrad und war froh das ichwieder nach hause fahren konnte.
Am Samstag den 08.04. musste ein Polizist aus Klix einen straffälligen Polen nach Bautzen ins Gefängnis schaffen. Er führte ihn mit gefesselten Händen die Straße entlang. Als sie auf der Muskauer Straße im Wald waren (Höhe des heutigen Kartoffellagerhauses), versuchte sich der Pole zu befreien. Er griff den Polizisten an, schlug ihn nieder und wollte ihm die Pistole weg nehmen. Im selben Moment kam ein Auto der Wehrmacht vorbei, und der Polen wurde überwältigt. Sie führten ihn bis zur Sandgrube, dort wurde er standrechtlich an Ort und Stelle erschossen. Die Polen, die im Rittergut arbeiteten mussten ihn dann dort begraben. Wir Kinder haben uns das Grab am Sonntagnachmittag angesehen.

Ein Auszug aus den Erinnerungen von Martin Hämsch.

Eigentum Fam. Hämsch (Zschillichau)



 

Ich war hier !

1966 geboren, wuchs ich  mit ein paar Unterbrechungen in Zschillichau auf. Leider zogen wir damals 1968 oder 1969 nach Bautzen.
Zschillichau blieb aber immer mein Heimatland.
Schon wenn wir damals mit dem Bus aus Bautzen kamen und das war mehrmals in der Woche, roch es schon von weitem nach dem Misthaufen vor dem ehemaligen Kuhstall an der B156. Mutter hat damals im alten Dorfkonsum gegenüber als Verkäuferin gearbeitet.
Meine Ferien und eigentlich jedes Wochenende, habe ich regelmäßig bei Oma und Opa auf dem Land verbracht. Was schöneres gab es eigentlich gar nicht, vor allem konnte ich tun und lassen was ich wollte mit meinen Kumpels Timo, Thomas, Matthias, Kuno, Himming, Pumpel um nur einige zu nennen.
Es war eigentlich nie langweilig auch wenn wir nur im Dorfteich die Fische wieder raus geangelt haben die zuvor noch in der Spree geschwommen sind.
Ich denke auch an manches Osterschießen mit Milchkannenkanone oder Hexenhaufen aufstellen bzw. Hexenbrennen. Wenn bei jemand die Heuernte war haben wir immer mit gemacht.
Im Winter haben wir auf den Teichen Eishockey gespielt und wenn wir keine Lust mehr hatten, wurde das Eis in Schollen zerlegt und dann drauf gefahren. Ich glaube es gab nicht einen, der nicht ein Mal im Wasser lag.
Auch dann später als es zur Disco nach Malschwitz ging, über die Felder (schlammig, Güllegestank usw.) in Gummistiefeln. Es war herrlich.
Das wichtigste aber war, wenn einer was ausgefressen hatte, oder wenn es um arbeiten ging haben wir alle zusammengehalten. Wir hatten gegenüber älteren nie große Klappe waren immer höflich und ich glaube, deshalb haben uns auch die meisten Zschillichauer geliebt. Wir hatten eigentlich immer was zu tun und waren mit allem zufrieden. Und sollte einer mal behaupten, in DDR-Zeiten hat einer „gehungert“, der hätte mal im Konsum bei Frau Wödl einkaufen sollen.
Um die Seite abzuschließen. Es war eine herrliche Kindheit und Jugend in Zschillichau ohne „Computer“, Internet und großer Klappe.  Wir waren bei Wind und Wetter draußen, kaum krank und bei uns regierte nie an erster Stelle das liebe G E L D.

Mit freundlichen Grüßen Tino Kalich



Ferien in Zschillichau


1963 in Bautzen geboren und das erste Lebensjahr in Zschillichau gewohnt, bezeichne ich mich selbst gern als gebürtigen Zschillichauer. In diesem Jahr wurde mir dann schon mein Spitzname verpasst: Kuno.
Mit unserm Umzug wurde ich dann schließlich  ein Zittauer. Meine Ferien habe ich aber fast ausschließlich in Zschillichau verbracht. Bereits mit 10 Jahren bin ich dann manchmal alleine mit dem Bus von Zittau gekommen. Mit dem Aufenthalt zum Anschlussbus nach Zschillichau war das eine dreistündige Reise. Mit jedem Kilometer, den ich meinem Ziel näher kam, stieg die Vorfreude auf das Wiedersehen mit meinen Verwandten und Freunden von denen ich immer herzlich aufgenommen wurde. Für mich als Städter waren auch die Tiere wichtig – Hunde, Katzen, Kühe, Schweine, Enten…   Natürlich hatten es uns Kindern die Jungtiere besonders angetan. Gerne erinnere ich mich an die großen Heufuhren und den Duft von frisch gemähten Futter. Zur sichtlichen Erheiterung meiner Freunde habe ich als Städter mit meinem Versuch über einen äußerlich getrockneten Schweinemisthaufen zu laufen beigetragen. Mein Experiment mit Karbid im Traktortank hat damals für Aufregung im Dorf gesorgt. Zum Glück ist alles gut gegangen!
Heute bin ich Handwerker und lege Wert auf gute Werkzeuge – um so höher schätze ich jetzt die Nachsicht von Onkel Martin, der wohl immer Nägel und Hämmer suchen musste. Das Zeug hatten wir doch weg geschleppt um unsere Bude zu bauen . In der haben wir uns dann noch als Suppenköche qualifiziert – Tante Trude kann’s bestätigen .
Unser Freibad waren die Fischteiche oder die Spree mit ungechlortem Wasser aber freien Eintritt! In Zschillichau habe ich Rad fahren gelernt und die ersten Fahrversuche auf einem SR2 unternommen.
Es war eine unbeschwerte, erlebnisreiche und glückliche Kindheit, die ich nicht missen möchte.

Kuno