Dorfgeschichte

Im Osten geht die Sonne auf.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Am Rande eines waldreichen Gebietes  direkt an der B 156 (Bautzen-Weißwasser) gelegen  befindet sich unser Dorf Zschillichau heute zur Gemeindeverwaltung Großdubrau gehörend. Zu DDR-Zeiten durch die NVA-Flugkontrollstation bekannt geworden, dominierte in Zschillichau einst das auf der Großdubrauer Dorfseite gelegene Herrschaftliche Gut, das im 17. Jh. zu Malschwitz gehört hatte und im Besitz des Adelsgeschlechtes derer von Nostitz war.1945 wurden die Gutsbesitzungen von Zschillichau enteignet.

IMG

Geschichte von Zschillichau

Meine Oma erzählte mir als Kind wie Zschillichau entstanden ist.
Etwa im 13. Jahrhundert lebte in Malschwitz ein Ritter mit dem Namen Celchow.
Er hatte seine Felder nördlich hinter der Spree, also hatten es seine “ Bauern“ ziemlich weit bis zur Arbeit.
Da sagte er ihnen, sie sollten dort, wo heut unser Zschillichau steht ihre einfachen kleinen Häuser bauen. Die Häuser bestanden meist nur aus einem großen Raum der Fußboden bestand aus Sand welcher einmal in der Woche oder im Monat je nach Bedarf erneuert wurde. Die Bauern hatten damals ein sehr einfaches, armes und arbeitsreiches Leben.
Und so wurde nach und nach ein richtiges Dorf daraus mit dem damaligen Namen Czelchowe
Darum gehörten die Zschillichauer auch bis 1830 zur Kirchgemeinde Malschwitz. Der alte Kirchweg nach Malschwitz ist in etwa der Heutige , der in einem sehr schlechten Zustand befindliche Fahrradweg, um den sich leider keine der beiden heut bestehenden Gemeinden kümmert. 

Die damalige Hauptstraße verlief von Klix, an der ehemaligen Radarstation vorbei, zwischen den Fischteichen bis vor Briesing und mündete auf die heut existierende Straße nach Bautzen. Die Hauptstraße die heut durch Zschillichau führt, gab es damals nicht. Meine Oma sagte immer, daß sei die neue Straße. Leider existiert von dieser historischen Straße nur noch ein kurzes Teilstück von Klix, unter der alten Eisenbahnbrücke auf die Felder. Als Kind bin ich oft mit meinem Fahrrad auf dieser alten Straße nach Klix gefahren. Über Nacht etwa im Jahre 1975, wurde ein großer Teil einfach umgeackert . Warum eigentlich. Wem war diese alte Straße im Wege?  

zschillichau ok

Unweit von Zschillichau liegt der 158 m hohe Joercksberg, im Gelände der ehemaligen Radarstation, von wo man die Spreeaue überblicken kann. Dort wurden in den 1990 Jahren, Fundstücke einer Besiedlung, von einem alten germanischen Stamm entdeckt, etwa aus der Zeit des römischen Kaiserreiches.   Die Häuser waren rund, Baumstämme waren säulenartig nebeneinander eingegraben und mit Weide umflochten.  Innen wie außen war eine Lehmschicht aufgetragen, die das Haus wetterfest machte. Das Dach war ähnlich einer Kuppel errichtet, wahrscheinlich mit einem Loch in der Mitte des Daches, damit der Rauch von der Feuerstelle abziehen konnte.

Unsere Geschichte wird leider damals wie heute, sehr „stiefmütterlich“ von den Verantwortlichen wahrgenommen.

Matthias Logo61OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Ortsnamenformen:   1360 Czelchowe,   1419 Czelschaw,   1499 Schillichen,    1519 Czelschaw,  1658 Tzöhlichau,   1733 Zschilche,   1759 Zyllichau,  1791 Zschillge    1800 Zschillche, 1810 Zschillichau 

links auf dem Foto Zschillichau, dahinter ehemalige Radarstation (Joercksberg)

Zschillichau  war einstens der Sitz des Ritters Celchow. Er war der Führer einer Brückenkopfwache. Also war hier eine sehr alte und seltene Brücke über die Spree, die darum besonders bewacht wurde.
Nachher hören wir bis 1718 nichts von Zschillichau. Damals verkaufte Wolf Friedrich v. Nostitz sein Lehngut Zschillichau das bisher zu Malschwitz gehört hatte, an Hans Wolf v. Motzradt. Im Lehnbrief von 1721 sind als Untertahnen des „Gütchens“ Zschillcho genannt zwei Ganzhüfner (besitzer von Huftieren,Ackerland usw.) daselbst, 2 Gärtner mit vollen landüblichen Diensten und 4 Häusler mit 5 Tagen Weiberdienst im Jahre, ferner der Schenke, deren Besitzer alle Tag mit dem Zugvieh zu Hof gehen muss, Ober- und Niedergerichte genannt. 1760 wird Zschllichau in Erbe verwandelt. 1772 kaufte es Johann Schulze, Freigärtner in Baschütz. Er starb 1774 und hinterließ Frau und Kinder. Zschillichau kam zum Zwangsverkauf und wurde 1781 dem Diakonus (=Pfarrer) in Hoyerswerda Peter Schulze für 7700 Taler zugeschlagen. 1782 erhielt er den Erbbrief. 1783 starb er. Seine Erben verkauften das Gut1786.
Nun folgen viele Besitzer.
1792 wurde in Spreewiese (Leichnam) eine Ziegelei gebaut, der Ton zum Brennen der Ziegel kam aus Zschillichau.
1796 kaufte es Hofrat und Landesältester Ernst C. G. v. Kiesewetter. Er ist ein Mitbegründer des Landständischen Seminars zu Bautzen. 1869 kostete das Gut 37000 Taler. Dafür waren aber die 2 Vollbauern verschwunden. Das Rittergut hatte sie aufgekauft. Heute ist es ein Erbhof.
1830 Zschillichau mit 1 Rittergute, welches jetzt der Herr Dr. Claß besitzt, mit 2 eingezogenen Halbbauerngütern, 3 Gartennahrungen und 16 Häusern, zählt 113 Seelen.
1837 am 22 Mai wurde der zweite Ablösungs-Rezess zwischen dem Rittergutsbesitzer einerseits und der Schenkennahrung und 14 Häuslern andererseits abgeschlossen.

Das waren:  (damalige Einwohner von Zschillichau um 1837) 1.die minderjährige Schenkennarungsbesitzerin Marie Magdalena Abschke, Nr.1 durch ihren Altersvormund vertreten. 2. Johann Kasper Haus Nr.3, / 3.Anna verw.Jatzke geb.Rotsch Haus Nr.4 / 4. Peter Rotsch H. Nr.5 / 5. Johan Rudel H. Nr.6 / 6. Johann Wenzel H. Nr.7 / 7. Andreas Martschink H.Nr.9 / 8. Michael Zschoch H.Nr.10 / 9. Gottfried Döcke H.Nr.12 / 10. Johann Zschoch H.Nr.13 / 11.Andreas Koban H.Nr.14 / 12. Georg Rotschke H.Nr.15 / 13. Andreas Schuster H.Nr.16 / 14.die noch unmündige Maria Martschink H.Nr. 17 vertreten durch ihren Vater / 15. Peter Büttner H.Nr.18 Diese 15 hatten folgende Verpflichtung:    1. gewisse Hand, Dresch und Spinndienste zu leisten ( allgemein gesagt, es war aber Täglicher Dienst)  2. Naturalzinsen  an Hühnern und Eiern abzuführen. 3. Der Gutsherrschaft die Hütung mit den Rittergutsschafen auf ihrem Grund zu gestatten. Nach dem Wegfall der Fronen mussten die 14 Häusler mit der Schenke gemeinsam  30 Taler und 14 Groschen jhrl. Rente zahlen, oder sie konnten sie durch den 25-fachen Betrag in bar gänzlich ablösen. Das konnte in Zschillichau  keiner ausser dem Gärtner Jatzke.

Zschillichau ist das einzige Dorf, von dem die Gemeindefrondienstauflösungsakten im Orte erhalten sind.
Eingepfarrt war Zschillichau in alter Zeit nach Malschwitz. 1830 kam es nach Klix. 1838 besteht Zschillichau aus einem Rittergut, 2 eingezogenen Bauerngütern, 3 Gartenuahrungen, 16 Häusern, einer Schenke und zählte 113 Seelen.
Zschillichau mit 20 Hausnummern. Es gehört zur Gemeinde ein Rittergut, dessen gegenwärtiger Besitzer , Herr Artur Goldammer , seit 1888 dasselbe bewirtschaftet und zur Verschönerung des Schlosses beigetragen hat. Der Ort besitzt ein Gasthof und mehrere kleine Wirtschaften.   Seelenzahl 117
1904 hatte Zschillichau 20 Hausnummern, 1 Rittergut, 1 Gasthof und mehrere kleine Wirtschaften. Das Armenhaus steht leer.    Seelenzahl 117.

Im Ersten Weltkriege starben 7 Zschillichauer (Spank, Paul am 07.09.1914/ Linke, Edmund am 28.10.1914/ Röhle, Herrmann am 27.02.1916/ Lorenz, Paul am 31.07.1916/ Röhle, Ernst am 19.05.1917/ Jatzke, Ernst am 27.03.1918/ Kschidel, Herm am  18.10.1918

1924    Einwohner 100  Seelen   Gemeindevorstand: August Noack / Gemeindeältester: Johann Lorenz / Gemeindeweisenrat: Karl Hämsch / Ortsrichter: Johann Kockel / Friedensrichter: Paul Zwicker = Rittergutsbesitzer

1938 28 Haushaltungen mit 108 Einwohnern. Es ist seit 1936 Sdier eingemeindet.

Familien 1944 

Dreßler, Fein, Gerber, Hämsch, Holfeld, Kloß, Kockel, Koch, Kunth, Mang, Lieschke, Linaschke, Linke, Lowke, Marschner, Miesner, Mitrach, Oegel, Paul, Pohontsch, Roschk, Röhle, Rentsch, Schuster, Sarodnick, Sedlick, Taschke, Ringel, Wauer, Wollmann, Zimmer

 

Im  Zweiten  Weltkriege starben 5 Zschillichauer. ( Zimmer Walter,  Dresler Kurt,  Linaschke Ernst, Linaschke August,  Kunth Herbert )

1945 Nach dem Krieg kamen viele Deutsche aus Schlesien, Ostpreußen, Pomern und den Sudeten auch nach Zschillichau. Da man ihnen ihre Heimat durch ein erneutes Unrecht (Vertreibung aus der Heimat)  genommen hatte.

Deshalb sind diese Menschen (für mich) die wahren Verlierer  ihnen wurde alles genommen. Die Gewinner der vielen Kriege dieser Welt deren Namen werden uns verschwiegen, den die, die wir sehen sind meist nur Marionetten.

Politik ist die Hure der Banken und Mächtigen das war so und es ist leider auch heut nicht anders,  wie die Gegenwart uns leider zeigt.

Gedanken sind mächtiger als Waffen. Wir erlauben es unseren Bürgern nicht, Waffen zu führen – warum sollten wir es ihnen erlauben, selbständig zu denken?  — Joseph Stalin–

Ich glaube, besser kann man die heutige Zeit in der wir gerade wieder Leben nicht beschreiben.

 

Das Land meiner Ahnen

(aus „Dorf-Heimatbuch“ von Martin Hämsch 1943)

Vor 2000 Jahren sah unsere Heimat ganz anders aus als heute. Von den Bergen bis in die Ebene dehnte sich der Urwald aus. Darin wuchsen riesige Bäume, Eichen, Buchen, Tannen und Kiefern ragten zum Himmel empor. Strauchwerk und Schlingpflanzen versperrten den Weg. Viel Wild lebte im Wald: Füchse, Wölfe, Bären, Auerochsen, Wildkatzen, Dachse, Luchse, Rehe und Hasen. Zahlreiche Orts-, Flurnamen erinnern uns noch daran: Hirschfelde, Luchsenburg, Buchwalde, Birkenrode, Großdubrau, Holschdubrau, Lippitsch, Briesing und Brösa.

Wasserreiche Flüsse durchquerten den Wald. Sie traten oft über die Ufer und versumpften viele Landteile.

Unsere Heimat erhielt dadurch den Namen „Die Lausitz“ = Sumpfland.

In den Sümpfen wimmelten die Mücken und Krebse, zwei Nachbardörfer haben davon ihre Namen: Commerau = Mückendorf und Rackel = Krebsdorf. In den Flüssen schwammen schmackhafte Fische, darum siedelten meine Ahnen gern an Flussufern.

Mein Schuldorf Klix dehnte sich am Sumpf aus, es bedeutet ungefähr Sprudeldorf. Dahinter lag Salga = das Dorf hinter dem Sumpf. Südlich erbauten meine Vorfahren eine Brücke über die Spree. Die Brückenkopfwache hatten die Zschillichauer, denn Zschillichau = der Brückenkopf.

Das Ackerland war sehr knapp, weil es wenig eiserne Werkzeuge zur Bearbeitung gab. Unsere Vorfahren brannten große Stellen im Urwald aus. Daraus wurden Weiden. Folgende Ortsnamen entstanden daraus: Sdier, Särchen = Branddorf; Spreewiese = Kahldorf, weil dort eine Kahle Stelle in dem großen Wald war. Der Wald war unseren Urvätern eine große Vorratskammer. Aus dem Holz bauten sie ihre Häuser, zimmerten ihre Werkzeuge, schnitzten ihre Waffen und höhlen ihre Einbäume für den Fischfang aus. Sie waren sehr geschickte Leute, weil sie all ihre Werkzeuge selbst herstellten, die meisten aus Holz. Urnen und Töpfe aus Ton, die Lanzenspitzen und Beile aus Stein, später aus Eisen.

Sehr leicht hatten es meine Ahnen nicht, davon berichtet uns Brehmen = Lastendorf, also sie hatten eine Last zu tragen, durch ihre schwere Arbeit. Trotzdem blieben Sie ihrer Heimat treu und sie wohnen noch heute hier.

 

Erkenntnis

Was mich die Menschen lehren,
Des muss ich mich erwehren-
Was Gott sagt geht mir ein.
Das macht: Er schenkt zur Gänze
Sein Wesen ohne Grenze,
Sein schrankenloses sein.
Er predigt ohne Worte,
Dass ich an seiner Pforte
Noch immer dürstend steh,
Ist nicht die Schuld der Fülle,
Nur meine eigne Hülle
Umschattet, was ich seh.
Drum will ich nicht mehr trauern
In selbstgebauten Mauern,
Seit ich um Wahrheit weiß.
Mich lehrt kein Mensch der Erde,
Ich wachse und ich werde
Nach Göttlichem Geheiß.

Ephides